Partnerschaft?
Ich habe mich gefragt wie das überhaupt ist: sehen die Dozenten die Studenten als Partner an oder als weniger wert?
Auf der einen Seite heißt es immer, wir Studenten sind erwachsen und sollen uns so verhalten. Auf der anderen Seite scheint es so, dass Dozenten sich für etwas besseres halten, bzw. für eine Autorität, die mit einer überragenden Stellung über die Studenten herrschen und bestimmen darf.
Wie ist es denn nun, meine Damen und Herren? Wie sehen Sie die Studenten?
Ich erwarte, dass ein partnerschaftliches Verhältnis vorherrscht: es sind Menschen auf gleicher Ebene. Man behandelt sich mit Respekt. Oft genug scheint es aber so zu sein, dass Dozenten sich über die Studenten erheben und uns teilweise unterbuttern wollen.
Es spricht nichts dagegen, wenn ein Dozent als Autoritätsperson auftritt; diese Autorität sollte aber auf Kompetenz fußen und nicht aufgrund der Stellung. Macht um der Person willen ist genehm, Macht um der Position willen ist verabscheuungswürdig. Oder benutzen wir Einfluß statt dem Begriff Macht, wenn damit das Beispiel deutlicher wird.
Ich habe manches mal den Eindruck, dass sich Professoren als etwas besseres sehen und die Studenten minderwertig angesehen werden oder als lästiges Übel, teilweise als Störenfriede. Von partnerschaftlicher Einstellung oft genug keine Spur.
Der Dozent ist ein Dienstleister und der Student ist der Kunde.
Ohne Student kein Dozent. Aber das kümmert die Dozenten nicht, gibt es doch mehr Bewerber, als man verkraften kann. Und die allerwenigsten wagen es, etwas gegen das vorherrschende System zu sagen. Und einer Leistungsbeurteilung von Dozenten wird sich entgegengestellt. Wie könnte man es wagen, einen Professor bewerten zu wollen? Freiwillige Evaluation ist bei den meisten Fehlanzeige. Kein Raum für Verbesserungen vorhanden. Lernen in beide Richtungen unerwünscht.
Was sind das nur für Methoden? Was für Zustände herrschen vor? Aber gut: wenn ein Dozent sich in der Lehrer- und die Studenten in der Schülerrolle sieht, muss er sich nicht wundern wenn Pygmalion zuschlägt und die Studenten sich genau wie Schüler verhalten und Pausen ausdehnen, schwätzen und ähnliches.
Und wie kann es sein, dass Dozenten ihren Stoff falsch aufbereiten und die Verantwortung für schlechte Noten beim Studenten liegen soll? Wenn ein Dozent nicht in der Lage ist, den Stoff so aufzubereiten, dass er etwas vermittelt – wozu brauche ich dann den Dozenten? Ein Buch lesen kann ich selbst, ich brauche niemanden, der seitenweise kopiert und mir vorliest.
Und warum glauben viele Dozenten, man könne sie, ihre Vorlesungen oder Lehrmethoden nicht bewerten? Das erlauben sie niemandem. Nicht einmal, wenn man mit dem Studium fertig ist. Und auch nicht, wenn man eine Firma leitet, die sich mit Kernfragen beschäftigt und Probleme löst, die Dozenten in Vorlesungen machen. Oder wenn man Studien kennt, die einzelne Methoden als nicht nur falsch sondern sogar schädlich eindeutig machen? All das wird totgeschwiegen, unter den Teppich gekehrt und einem der Mund verboten.
Aber, meine Herren und Damen, sie vergeßen eines: die Zeiten ihrer wohlwollenden Herrschaft sind vorbei und aggressivere Personen, die sich nicht den Mund verbieten lassen werden dafür sorgen, dass diese Willkür endet und sich Effektivität und Mitbestimmung sowie Partnerschaft durchsetzen. Ihre Tage sind gezählt. Und sie gehen mit der Zeit. Schneller als ihnen lieb sein wird. Dies ist eine offene Kampfansage an Dünnbrettbohrer und die Altvorderen. Sie wollen Offenheit lehren – und sind es selbst nicht. Sie wollen modern sein – und erkennen die Zeichen der Zeit nicht. Sie halten etwas auf ihre Vorbildung – und vergeßen dabei lebenslanges Lernen.
Schluß mit lustig, Herr Professor. Das Spiel hat sich geändert. Und Sie verstoßen gegen die Regeln. Spielen Sie also entweder nach den neuen Regeln oder Sie werden aus dem Spiel ausgeschlossen. Die Würfel sind gefallen. Sie sind am Zug.